Keine Selbstständigkeit ohne die Fähigkeit sich selbst zu führen

Sandra Sieroux

Meine Kollegin Sandra Sieroux zeigt uns in diesem Gastbeitrag ihre Sicht auf Selbstführung für Solopreneure

„Selbstständigkeit ist Persönlichkeitsentwicklung pur.“ Mit diesem Satz begann Sabine ihr Grow for it! – Business-Mentoring (ehemals „From Zero to Hero“). Und es ist wohl der ehrlichste Satz, den man über das Solopreneurship sagen kann.

Ich wusste damals nicht, ob er eine Drohung oder ein Versprechen sein wollte. Im Rückblick auf die letzten Monate kann ich sagen: beides.

Sobald wir uns selbstständig machen, verlassen wir nicht nur Strukturen – wir begegnen uns selbst. Ohne Ausweichbewegungen. Ohne Kulisse. Ohne Rollen, in denen man sich kurz verstecken könnte.

Selbstständigkeit macht sichtbar,

– wo unsere Entscheidungen wirklich herkommen
– wo wir uns treu sind
– und wo wir uns verformen, um Erwartungen zu bedienen.

Mit jedem Angebot, das wir entwickeln, mit jeder Grenze, die wir setzen, mit jedem Auftritt im Außen zeigt sie uns, was stimmig ist – und was lediglich funktional geworden ist.

Freiheit – und die Suche nach dem Kompass

Viele verbinden Selbstständigkeit mit Freiheit: Gestaltungsspielraum, Selbstbestimmung, Raum für eigene Ideen. Und das stimmt.

Selbstständigkeit öffnet ein weites Feld. Doch genau dieses Feld bringt eine Frage mit sich, die wir uns immer wieder stellen dürfen, während wir mitten darin stecken:

Woran orientiere ich mich eigentlich?

Die Vielfalt an Möglichkeiten ist groß: Trends, Stimmen, Märkte, Algorithmen – sie alle senden Signale, die wie Orientierung wirken können.

Manchmal inspirieren sie.

Manchmal verwirren sie.

Doch wenn wir nicht aufpassen, überlagern sie unsere innere Ausrichtung und zwängen uns in das Korsett der vielen Do’s und Don’ts, die Erfolg versprechen.

Unsere Selbstautorenschaft bewahren

Hier beginnt die Notwendigkeit der Selbstführung: Sie hält uns in Verbindung mit unserer Selbstautorenschaft – dem Grund, aus dem viele von uns überhaupt Solopreneur:innen geworden sind.

Selbstautorenschaft bedeutet, im weiten Feld der Möglichkeiten eine Richtung zu wählen, die unserer eigenen Wahrheit entspricht. Sie bewahrt uns davor, Freiheit wieder zu verlieren, indem wir uns unbewusst an Trends, Erwartungen oder vermeintliche Erfolgsformeln fremdsteuern lassen.

Sie zeigt sich selten in großen Gesten, sondern in kleinen Entscheidungen:

– in einem Nein, das unseren Fokus wahrt

– in einem Ja, das uns stimmig und kraftvoll dienen lässt

– in der Art, wie wir unsere Angebote, Worte und Preise wählen – aus Stimmigkeit statt aus reiner Marktlogik

Ihre zentrale Frage lautet:

Was ist mein Weg – auch dann, wenn andere lauter, schneller oder sichtbarer sind?

Die drei Säulen der Selbstführung – als Praxis der Selbstautorenschaft

Selbstautorenschaft ist kein Zustand, der einfach existiert.

Sie entsteht im Tun, im Entscheiden und im bewussten Wieder-Zu-Sich-Kommen, wenn wir uns gut selbst führen.

Selbstführung ist die innere Praxis, mit der wir das weite Feld der Möglichkeiten bewohnbar machen. Sie hilft uns, uns selbst immer besser kennenzulernen und Orientierung in uns selbst zu finden.

Drei Säulen tragen diese Praxis.

1. Selbstwahrnehmung – sich selbst nicht aus dem Blick zu verlieren

Selbstwahrnehmung ist die leise Achtsamkeit für das, was in uns geschieht, bevor wir reagieren.

Im Solopreneurship sind Entscheidungen selten rein sachlich. Sie sind verwoben mit Hoffnung, Ängsten oder alten Gewohnheiten. Nur wenn wir uns selbst wahrnehmen, können wir unterscheiden, ob ein Impuls aus Klarheit kommt oder lediglich ein alter aber überholter Reflex ist.

Welche Wahrheit meldet sich in mir – auch wenn sie noch zart ist?

2. Selbstverantwortung – bewusst wählen statt sich treiben lassen

Selbstverantwortung bedeutet nicht Härte. Sie bedeutet Bezugnahme:

Worauf stütze ich meine Entscheidung?

Welche Qualität möchte ich verkörpern, wenn ich sie treffe?

Im Außen gibt es unzählige Gründe, warum man etwas tun „sollte“: mehr Reichweite, mehr Sichtbarkeit, mehr Tempo.

Doch Selbstverantwortung fragt nach einer anderen Logik: Ist diese Entscheidung stimmig? Führt sie mich näher an dem Menschen, der ich sein will?

Sie erlaubt uns, Ja zu sagen, ohne uns zu verlieren. Und Nein zu sagen, ohne Schuldgefühle.

Hier schließt sich der Kreis zu Selbstautorenschaft:

Sie wird erst möglich, wenn wir bereit sind, Verantwortung für unsere Richtung zu übernehmen – auch wenn das bedeutet, gegen den Strom zu handeln.

Diese Säule ist für mich besonders herausfordernd. Ich bin lange hohem Erwartungsdruck ausgesetzt gewesen und habe diese Dynamik mit in die Selbstständigkeit genommen. Unter dem verspürten Druck bin ich abwechselnd im Vollgas auf der Überholspur gerast und in Totenstarre gefallen, weil ich glaubte, dem nicht gewachsen zu sein.

Aus dieser Erfahrung sind zwei Sätze Teil meines Unternehmer:innen-Manifests geworden:

Ich glaube nicht an höher, weiter, mehr.

Ich glaube an das richtige Maß, zur richtigen Zeit.

Das ist der Ort, an den ich heute schnell zurückfinde, wenn ich mal wieder aus dem Tritt gerate.

3. Selbstregulation – die Kunst, im eigenen Rhythmus zu bleiben

Selbstregulation heißt nicht, sich zu beruhigen. Sondern sich auszurichten.

Es bedeutet, mit inneren Spannungen so umzugehen, dass sie uns nicht in Aktionismus treiben und uns ebenso wenig in den Rückzug schieben.

Es ist die Fähigkeit, zu erkennen, wann wir aus unserer Mitte geraten – und sanft dorthin zurückzufinden.

Für mich ist Social Media ein besonders sensibles Wachstumsfeld. Dort merke ich immer wieder, wie leicht äußere Impulse mein Koordinatensystem verschieben – ob durch Likes, Reaktionen, Vergleiche oder schlichtes Schweigen.

Selbstregulation heißt für mich hier vor allem, mich immer wieder daran zu erinnern, warum ich überhaupt sichtbar sein möchte: damit die Menschen, für die meine Arbeit gedacht ist, mich erkennen können – nicht, um Algorithmen zu erfüllen oder der breiten Masse zu gefallen.

Selbstregulation hilft uns, nicht jedem äußeren Impuls eine Bedeutung zu geben und nicht jede Rückmeldung als Auftrag zu lesen. Sie erinnert uns daran, in unserem eigenen Tempo zu wachsen – in einem Maß, das unser System tragen kann.

ThetaHealing – Ein Weg, der Selbstführung trägt

ThetaHealing hat mich auf so vielen Ebenen unterstützt, dass ein vollständiger Einblick den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Deshalb konzentriere ich mich hier auf die Aspekte, die mein solopreneuriales Arbeiten am nachhaltigsten geprägt haben.

An erster Stelle steht für mich das Thema Manifestation. ThetaHealing schärft meine intuitive Wahrnehmung und öffnet innere Räume, in denen neue Visionen überhaupt erst Gestalt annehmen können. Es hilft mir, die eigene Wirklichkeitskonstruktion bewusst auszurichten, sodass Entscheidungen und Handlungen mit einer Zukunft resonieren, die sich für mich stimmig und attraktiv anfühlt – und gleichzeitig offen zu bleiben für Entwicklungen, die ich noch nicht erahnen kann.

Darüber hinaus wirkt ThetaHealing für mich wie eine Form der mentalen Hygiene. Es erinnert mich daran, mir selbst mit Geduld und Milde zu begegnen, sodass ich mich mit weniger Scham und Selbstzweifel durch dieses anspruchsvolle Feld bewegen kann. Gleichzeitig bewahrt es mich davor, meine Kraft zurückzunehmen oder zu glauben, ich sei nicht würdig für das, was mich erfüllt.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Fähigkeit, die emotionalen Herausforderungen dieser Reise zu halten. Manche Trigger, manche alten Wunden oder unerwarteten Flashbacks, die die Selbstständigkeit an die Oberfläche bringt, lassen sich durch ThetaHealing sowohl im akuten Moment regulieren als auch langfristig integrieren und bearbeiten.

Für mich ist ThetaHealing deshalb kein Werkzeug am Rand, sondern ein innerer Anker, der Selbstführung möglich macht – klar, liebevoll und tragfähig.

Abschluss: Einladung an Selbstautorenschaft

In diesem Sinne ist Sabines o.g. Satz eine Einladung, jeden Tag ein Stück bewusster Autor:in der eigenen Geschichte und somit des eigenen Weges zu sein. Nicht, weil das Business uns zwingt, größer oder schneller zu werden, sondern weil es uns in eine Form von Ehrlichkeit führt, der wir uns kaum entziehen können.

Die Selbstführung ist dabei nicht die Technik, sondern die Haltung, die uns trägt. Sie ist die Praxis, mit der die Selbstautorenschaft – die Ausrichtung an unserer inneren Wahrheit – überhaupt erst Gestalt annimmt.

Es geht am Ende nicht darum, alle Antworten sofort zu kennen. Es geht darum, in Verbindung mit sich selbst zu bleiben und immer wieder zur eigenen Klarheit zurückzufinden. Und mit Schöpfung haben wir dafür den besten Partner an unserer Seite.

Über mich

Das Thema Selbstautorenschaft zieht sich nicht nur durch diesen Text, sondern durch meine gesamte Arbeit. Ich unterstütze Menschen dabei, ihre eigene innere Ausrichtung zu stärken – egal ob sie selbstständig, angestellt oder auf dem Weg dazwischen sind. ThetaHealing ist dabei eines meiner wichtigsten Werkzeuge, weil es Klarheit dort schafft, wo Muster und alte Geschichten Entscheidungen blockieren. Daneben arbeite ich mit verschiedenen Methoden aus Coaching, Inner Work und Embodiment, immer darauf ausgerichtet, dass Menschen ihre Wahrheit wieder hören und ihr folgen können. Wer mit mir arbeitet, sucht meist nicht die nächste Strategie, sondern einen Raum, in dem Orientierung, Mut und Stimmigkeit wachsen dürfen.

https://www.sandra-sieroux.de/   

Sandra Sieroux

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